Warum werden manche Bäume unten weiß gestrichen?

Wer durch eine ländliche Gegend fährt oder an einem Obstgarten vorbeikommt, entdeckt manchmal Bäume, deren untere Stammabschnitte auffällig weiß gestrichen sind. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handle sich lediglich um eine ungewöhnliche Dekoration.

Doch hinter dem weißen Anstrich steckt meist ein praktischer Grund: Das sogenannte Weißeln von Baumstämmen ist eine alte gärtnerische und landwirtschaftliche Methode, die Bäume vor verschiedenen Umwelteinflüssen schützen soll.

Der wichtigste Grund: Schutz vor starker Sonne

Einer der häufigsten Gründe für den weißen Anstrich ist die Reflexion von Sonnenlicht. Besonders die Rinde junger oder dünnrindiger Bäume kann sich bei direkter Sonneneinstrahlung deutlich erwärmen.

Das kann vor allem im Winter problematisch werden. Scheint tagsüber die Sonne auf den Stamm, erwärmt sich die Rinde. Fallen die Temperaturen in der Nacht wieder stark ab, entstehen innerhalb kurzer Zeit große Temperaturunterschiede. Die Rinde kann sich dadurch wiederholt ausdehnen und zusammenziehen.

Die weiße Oberfläche reflektiert einen Teil der Sonnenstrahlung, anstatt sie vollständig aufzunehmen. Dadurch bleibt der Stamm kühler und die starken Temperaturschwankungen können abgeschwächt werden.

Was ist Winter-Sonnenbrand bei Bäumen?
Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt an sonnigen Wintertagen. Während die sonnenzugewandte Seite des Stammes warm werden kann, bleibt die Schattenseite wesentlich kälter.

Wenn die Sonne verschwindet und die Temperaturen schnell sinken, kann die empfindliche Rinde Schaden nehmen. Diese Form der Rindenverletzung wird als Sunscald, auf Deutsch sinngemäß als Sonnenbrand beziehungsweise Winter-Sonnenbrand, bezeichnet.

Eine weiße Beschichtung kann dabei helfen, die Erwärmung des Stammes zu reduzieren und die Temperaturunterschiede abzumildern. Fachinformationen der University of California weisen ebenfalls darauf hin, dass Weißeln Licht reflektiert und dadurch die Erwärmung der Rinde reduziert.

Warum sind junge Bäume besonders empfindlich?

Junge Bäume besitzen häufig eine dünnere Rinde als ältere Exemplare. Dadurch kann die Rinde empfindlicher auf starke Sonneneinstrahlung und schnelle Temperaturwechsel reagieren.

Auch ältere Bäume können unter bestimmten Umständen empfindlicher werden. Dazu gehören beispielsweise Bereiche, an denen durch einen Rückschnitt zuvor geschützte Rinde plötzlich stärker der Sonne ausgesetzt ist.

Deshalb findet man den weißen Anstrich besonders häufig bei jungen Bäumen und bestimmten Obstgehölzen.

Können weiße Baumstämme auch vor Insekten schützen?

Der verlinkte Beitrag kündigt außerdem einen Abschnitt über Insekten an, der auf der zugänglichen Seite jedoch nicht mehr ausgeführt wird. Deshalb lassen sich die dort vorgesehenen konkreten Aussagen dazu nicht zuverlässig wiedergeben.

Fachinformationen weisen allerdings darauf hin, dass sonnenverbrannte Rinde für bestimmte holzbohrende Schädlinge problematisch sein kann. Der Schutz vor Sonnenbrand kann daher indirekt dazu beitragen, weitere Schäden an gefährdeter Rinde zu vermeiden.

Warum wird nicht jeder Baum weiß gestrichen?

Ein weißer Stamm ist keineswegs bei jedem Baum notwendig. Die Maßnahme kann insbesondere dort sinnvoll sein, wo junge oder dünnrindige Bäume einer starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind.

Ob ein Anstrich tatsächlich erforderlich ist, hängt deshalb von Baumart, Standort und den jeweiligen Umweltbedingungen ab. Auch Fachstellen empfehlen die Anwendung vor allem bei gefährdeten Bäumen beziehungsweise bei Rinde, die besonders stark der Sonne ausgesetzt ist.

Womit werden Baumstämme weiß gestrichen?

Beim Weißeln kommen unterschiedliche Produkte und Mischungen zum Einsatz. Der Fachbegriff „Whitewashing“ bezeichnet grundsätzlich das Auftragen einer weißen Beschichtung auf den Stamm.

Die University of California empfiehlt für bestimmte Anwendungen eine weiße, wasserbasierte Innen-Latexfarbe, die mit einem gleichen Anteil Wasser verdünnt wird. Dabei wird ausdrücklich zwischen geeigneten wasserbasierten Produkten und ungeeigneten Beschichtungen unterschieden.

Wer einen eigenen Baum behandeln möchte, sollte deshalb nicht einfach irgendeine Farbe verwenden, sondern sich an fachkundige Empfehlungen für die jeweilige Baumart und Situation halten.

Eine alte Methode mit praktischem Hintergrund

Das Weißeln von Baumstämmen mag auf den ersten Blick ungewöhnlich aussehen. Tatsächlich verfolgt die Methode jedoch einen nachvollziehbaren Zweck: Die helle Oberfläche reflektiert Sonnenlicht und kann dadurch die Erwärmung der Rinde reduzieren.

Besonders bei jungen oder dünnrindigen Bäumen kann dies helfen, Schäden durch starke Sonneneinstrahlung und schnelle Temperaturwechsel zu vermeiden.

Fazit

Wenn Sie künftig einen Baum mit einem weiß gestrichenen Stamm sehen, steckt dahinter also nicht unbedingt Dekoration. Der weiße Anstrich wird vor allem eingesetzt, um die Rinde vor starker Sonneneinstrahlung und daraus resultierenden Temperaturschwankungen zu schützen.

Besonders bei jungen und dünnrindigen Bäumen kann das Weißeln eine Schutzmaßnahme gegen Sonnenbrand der Rinde sein. Welche Anwendung sinnvoll ist, hängt jedoch von Baumart, Standort und den jeweiligen Bedingungen ab.

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